Am 28. Mai 1977 war es soweit, Hans und Hildegard konnten ihr erstes und dann auch einziges Kind in den Armen halten. Ich erblickte das Licht der Welt und war in meiner Kindheit in echter, runder Wonneproppen. Das streckte sich zum Glueck in den naechsten Jahrzehnten.
In der Grundschule kam ich durch meine Freundin Karla auf die Idee Tennis zu spielen. Karla war auch schon richtig gut, ich wurde es nicht und Spaß machte es mir auch nicht. Daraufhin griff mein Opa in meine Freizeitplanung ein und versuchte mich aufs Pferd zu bringen. Das Sitzen im Sattel war ganz lustig, nur wollten die Pferde nie in die von mir angepeilte Richtung laufen. Mein Großvater schob das auf die Unwissenheit des Gauls und wollte mir ein eigenes Pferdchen kaufen.
Meine Eltern fingen waehrenddessen durch ihre Freunde Alfred und Inge an zu Golfen.
Ich durfte dann auch mal mit auf den Golfplatz von Bad Salzuflen, wo man nur als Mitglied und ab einem Alter von 10 Lebensjahren willkommen war. Ich war erst 8, aber hatte trotzdem schon eine Menge Spaß an dem Spiel mit dem kleinen weißen Ball. James, der Golflehrer im Club, hatte noch alte Schlaeger im Keller, die er fuer mich absaegte, duenne Griffe draufmachte, und schon war ich ausgestattet. Nur die Altersregelung im Club bereitete Probleme, so dass ich meine ersten Schlaege nur aus einer Huette oder im Wald machen konnte. Ich war infiziert, der Golfvirus hatte zugeschlagen, verbotene Dinge zu tun machte obendrein noch mehr Spass. Mein Opa war enttauescht, er hielt nichts vom Golfen. Erst einige Jahre spaeter aenderte er seine Meinung ein wenig und steuerte dann auch zu Weihnachten einen neuen Schlaegersatz, meinen erster kompletter Satz, bei.
Ich verbrachte meine Freizeit auf dem Golfplatz. In der Schule kam das natuerlich nicht immer gut an, manche Lehrer gaben mir auf Grund meines Hobbys nicht immer die besten Noten. Meine Kunstlehrerin entdeckte auch erst meine wirklichen Talente in ihrem Fach, als sie selber anfing Golf zu spielen. Ich brachte es trotzdem auf dem humanistischen Gymnasium in Herford zum Abitur. Dank meiner Vorlieben fuer Mathe, der Statistikaufgabe mit Golfbaellen in der Abiklausur und einer gluecklichen Fuegung in Erdkunde konnte ich meine Note noch etwas aufbessern.
Durch Anna und Jochen inspiriert begann ich dann eine Ausbildung zur medizinisch technischen Laboratoriumsassistentin.
In Lemgo konnte man ausser zu Lernen nicht so viel tun, so dass ich fleissig las. Auf dem Golfplatz war ich weiterhin in jeder freien Minute anzutreffen. Ich schaute viel bei Erol zu, der immer auf dem Sprung von der Challenge- zur Europeantour war. Er hatte bei James gelernt und unterrichtete dann weiterhin bei uns im Club. Und er trainierte sehr hart. Ich konnte mir viel abschauen und biederte mich staendig als Trainingspartner an, was hauefig abgelehnt wurde.
Meine Jugendwartin und Freundin Katrin und ich golften viel zusammen, nahmen alle Turniere in der Umgebung mit, spielten dann auch NRW-Meisterschaften und die Deutschen mit. Ich war gar nicht so schlecht,, das fand dann auch nach ein paar Jahren Marcus, der Nationaltrainer der Damen in Deutschland. Ich wurde zum Training der Mannschaft eingeladen, allerdings dann nach dem Winter nicht ins Team nominiert.
Inzwischen arbeitete ich Vollzeit im Labor einer Herzklinik in Bad Oeynhausen.
Meinen Heimatclub verlegte in nach Niedersachsen und hatte dort ein tolles Clubmannschaftsteam um mich herum. Ich begann an internationalen Amateurturnieren teilzunehmen und konnte durch mein Abschneiden Marcus und seinen Verband zu meiner Nominierung fuer das kommende Jahr ueberzeugen. In dem Jahr konnte ich die Turniere in Italien und der Schweiz gewinnen, spielte auch sonst ganz gut, wurde mit meiner Clubmannschaft Dritter in Deutschland und erhielt sogar die Auszeichnung zur Golferin des Jahres.
Ich entschied mich die Qualifying School der Ladies European Tour mitzuspielen und erlangte nach 6 Runden meine erste Tourkarte. Ich kuendigte meinen Job in der Klinik und startete meinen zweiten Berufsweg als Golfprofi.







